Ironisch gebrochen

September 4, 2012 at 7:32 pm (Uncategorized)

Wer die Blogosphäre länger nicht beobachtet, weil er besseres zu tun hat, verpasst nichts. Die Antideutschen machen immer noch das, was sie immer gemacht haben: sie machen Deutschland besser. Dagegen ist nichts einzuwenden, dennoch ist es richtig, dass dabei die Kritik des Ganzen (nicht in dem platten Sinne des Bündnisses, in dem sich die TOP und andere basisdemokratische Plenums-Fetischisten befinden) nicht fehlen darf, womit auch klar ist, dass die Beschränkung der antinationalen Linken auf Deutschland keine Kritik ist. Denn: Man ist so platt, dass man froh darüber ist, sich in Frankreich oder Dänemark aufzuhalten und sich durch Fahnenklau während der Europameisterschaft in einen Habermasschen Diskurs begibt, in dem man zwar Idioten zu Recht ärgert, jedoch mit den Idioten auch den Wahn teilt, dass der Nationalismus mit dem NS identisch sei.

Die Empörungen über Grass entspringen demselben Geist. Sein Gedicht, das sich wie ein standard formatierter Text eines Leistungskursteilnehmer der 12. Klasse liest, ist nichts, was exzeptionell ist. Die Ausnahme ist das Gegenteil, doch davon wollte keiner was wissen. Die Süddeutsche Zeitung machte einen auf liberalen Tabubrecher: Diskussionen befördern, das wollte Heribert Prantl und faselte gleich als guter Deutscher von einer demokratischen Aufgabe, die man habe und weshalb man das Gedicht abgedruckt habe. Das meinte er im Interview mit dem NDR zudem „ganz ernst“. „„Aber es gibt keine Antisemiten mehr. Sie waren zuletzt Liberale, die ihre antiliberale Meinung sagen wollten. […] Wurde antisemitische Gesinnung laut, so fühlte sie sich als bürgerlich und aufsässig zugleich“ (Adorno/Horkheimer, Elemente des Antisemitismus)

Der Glaube an die kommunikative Vernunft veranlasste auch die Berliner Gruppe Theorie.Organisation.Praxis zu einem erneuten Versuch, mal wieder den Versuch zu wagen, Anschluss an eine konkrete Bewegung zu finden, weil amn ganz postmodern und strikt an der Praxis orientiert weiß: „[…] Symbolpolitik ist gerade jetzt nicht zu unterschätzen. Sie entscheidet mit darüber, ob Leute sich zu einer Kritik ums Ganze aufraffen.“ Wie genau man durch Symbolpolitik schaff, zumindest mit zu beeinflussen, ob Leute sich zu einer Kritik ums Ganze aufraffen Vielleicht durch „Staat.Nation.Kapital.Scheisse.“ wie es das umsGanze! Bündniss mal so kreativ wie ein Startup-Unternehmen im PR-Bereich formulierte, das nur aus Studienabbrecher besteht, die dann was Kreatives in Berlin mit Medien machen wollten und auch mal gerne frech anecken oder – wie an der FU Berlin – „Autoritäten anknabbern“.

Dass man auf dem Occupy Camp locker und unbefangen den Leuten ganz sozial-pädagogisch erklärte, was falsche, nämlich verkürzte Kritik am Kapitalismus sei, ist dann folgerichtig. Die Massen agitieren, das ist wichtig: „Was nützen zwanzig Jahre Kritik der verkürzten Kapitalismuskritik, wenn man ein Geheimwissen daraus macht?“ Als wüssten nicht längst genug Leute davon und als wenn es nicht so wäre, dass ein Großteil der Leute dort gar kein Interesse an einer Kapitalismuskritik hat, die ihren Namen verdient und von der TOP ebenfalls nicht geleistet wird. Marx lesen ist angesagt und trotzdem gibt es weit und breit nur „verkürzte“ oder – was häufig dasselbe ist -reformerische Kritik.

Man möchte den Zustand – Deutschland als Gewinner der europäischen Krisenpolitik – delegitimieren und eine „soziale und intellektuelle Gegenmacht entwickeln.“ Der Hauptfeind ist „nach wie vor das eigene Land.“Um linksradikale Hegemonie gehe es nicht, obwohl es doch so ist, die Gruppe lügt also. Besonders deutlich wird dies, wenn man drei Sätze später wieder bemängelt, dass „ein Gegensatz gesehen wird zwischen dem Kampf um Hegemonie und einer antikapitalistischen Kritik [natürlic] umsGanze.“ Man wolle durch die Aktionen im Blockupy Camp zeigen, dass „wir uns kritischen Diskussionen stellen und auch mal welche provozieren.“ Und irgendwie kommt man dann zu dem Schluss „Die Zukunft ist glänzend, fragt sich nur ab wann.“ Ab wann fragt ihr euch, liebe TOP? Ihr solltet euch lieber fragen, warum ihr euch so sicher seid, dass die Zukunft jemals glänzend sein könnte. Euer Immunmachen gegen Erfahrung ist offensichtlich und für eine Gruppe, die sowohl auf den politischen Prozess und Kämpfe legt, umso erstaunlicher. Die Aktionswut übersteigert euer Denken, das hab ihr mit den Wutbürgern gemein. Und nicht nur das habt ihr mit ihnen gemein: „Dass ein Deutscher einfach mal etwas nicht tut, ist unmöglich. Entweder er tut es, oder er ist tätig, indem er es verhindert, ausschlie0t etc.“ (Wolfgang Pohrt, FAQ, S.22)

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