Wenn Foucault sich diskursiv ausbreitet

Juli 11, 2011 at 11:21 pm (Uncategorized)

Die Relativierung der Genitalverstümmelung an der Berliner Humbldt-Universität (HU) ist bereits seit längerem bekannt. Die HU brachte 2005 ein Sonderheft heraus, dessen Einleitung bereits an vielen Stellen kritisiert wurde, von Thomas Maul, Thomas Uwer oder Arvid Vormann. In diesem Heft findet sich auch ein Interview, das Sarah Diehl, bekannt für durschnittlich schlechte kritisch-feministische Artikel, mit Dr. Asili Barre-Dirie, Veterinärmedizinerin und Zweite Vorsitzende bei FORWARD e.V., und Fana Asefaw, Assistenzärztin in der Vivantes-Abteilung für
Kinder- und Jugendpsychiatrie im Humboldt-Klinikum Berlin und Mitglied bei
FORWARD Germany e.V., geführte hat.

Ein Auszug:

S: Wo liegt das besondere Problem der afrikanischen Frauen in Deutschland?

A: Die jungendlichen Afrikanerinnen, die hier groß geworden sind, sind sehr vehement
und auf eine rassistische Weise mit dem Thema konfrontiert, und ihr Selbstbewusstsein
ist nicht so gefestigt. Eine Frau, die aus Afrika hierher kommt, die fühlt, dass sie
besser ist als nicht beschnittene Frauen; da kannst du sagen, was du willst. Wenn du
ihr sagst: „Du bist doch verstümmelt“, dann sagt sie: „Nein, bin ich nicht, ich bin normal.“
Aber die jungen Afrikanerinnen, die hier geboren sind und vielleicht ihren kulturellen
Background nicht so gut kennen, die sehen dann im Fernsehen, wie über das
Thema geredet wird oder sie stehen an der Bushaltestelle und sehen das Plakat von
(I)NTACT, worauf steht: „Wer bei dieser Rasierklinge nur ans Rasieren denkt, hat
noch nie die Schreie eines Mädchens bei ihrer Beschneidung gehört.“ Was denken und
fühlen sie dann?

Was Asefaw sagen will: Es ist alles nur eine Frage der kulturellen Toleranz. Der wahre Schmerz, den ein Opfer von Genitalverstümmelung erlitten hat und der dann verdrängt und rationalisiert wird, interessiert sie nicht; das Schlimmste für die Opfer ist der Rassismus Weißen; darauf fokussiert man sich und gibt in einem Nebensatz lapidar zu, dass man das „nicht gut findet“ mit der „Beschneidung“, das Problem jedoch vor allem in angeblich diskriminierenden Thematisierungen durch die Mehrheitsgesellschaft liegt.

Asefaw beklagt dann auch an anderer Stelle:

Nach Aussagen meiner Interviewpartnerinnen müssen die FGC-Betroffenen hier in
Deutschland oft mit der paradoxen Tatsache leben, dass die Genitalbeschneidung, die
in ihrer eigenen Kultur identitätsstiftend und sozial integrierend ist und einen Schritt
zur vollständigen Weiblichkeit darstellt, sie in Deutschland jedoch zur „Unvollständigen“
und „verstümmelten“ Frau macht.

Man steigert sich im Interview dann zu solchen Vergleichen:

S: Es gibt ja auch Gesellschaften, bei denen man sich Narben beifügt, und da steht der
Schmerz auch nicht im Vordergrund, oder?

F: Genau. Kein Mensch tut das ja, um jemanden zu verletzen. Das ist Nebensache und
steht nicht im Vordergrund. Es ist ein Schönheitsideal.

S: Es gibt ja auch immer verrücktere Schönheitsoperationen bei Weißen, die auch
massive körperliche Beeinträchtigungen und Risiken mit sich bringen können, die aber
immer populärer werden.

A: Ja, und die Frauen, die in Europa früher Korsette trugen, haben doch auch Schmerzen
gehabt. Oder Stöckelschuhe, das muss man ertragen, wenn man in bestimmten
Gruppen Anerkennung will.

Und Vanessa-Nino Kern hat geanz genau hingeguckt und folgende „Parallelen“ festgestellt:

Auch wenn der Vergleich von Genitalen Schneiden, Tattoos und Piercings etwas abwegig
erscheint, lassen sich jedoch augenfällige Parallelen feststellen.
Ähnlich wie das Genitale Schneiden von Mädchen und Frauen aus afrikanischen Ländern werden Piercings
und Tattoos ohne, oder nur mit minimaler, lokaler Betäubung durchgeführt.
Sie können einen Lebensabschnitt markieren oder Ausdruck eines temporären Lebensgefühls
sein, sind also vergleichbar mit Initiationen.

Meiner Forderung, die Linkspartei abzuschaffen, kann hiermit auch auf die Gender Studies übertragen werden. Darüber hinaus sieht man, wozu das postmoderne Denken führen kann.

1 Kommentar

  1. virales marketing geschmacklos « krankheit und konsum said,

    […] offenbar auch der kollege von yourenlightment und labelte seine überschrift entsprechend. dass der darauf folgende text mit foucault nichts zu tun hatte – geschenkt. aber den einflussreichen trendsetter der 80s […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: