Utilitarismus und Determinismus

Oktober 26, 2010 at 5:37 pm (Uncategorized)

»Sofern der Tod eines behinderten Säuglings zur Geburt eines anderen Säuglings mit besseren Aussichten auf ein glückliches Leben führt, dann ist die Gesamtsumme des Glücks größer, wenn der behinderte Säugling getötet wird.«

Peter Singer hat diesen Satz formuliert. Singer ist der Ideengeber der Tierrechtsbewegung, die Tiere mit Menschen gleichsetzt, ohne die Fähigkeit des Menschen, seine Natur zu reflektieren und ethisch zu handeln, zu berücksichtigen. Unterstützung erfährt man dabei auch aus sogenannten humanistischen Kreisen, vertreten durch Michael Schmidt-Salomon, einem Dummatheisten, der jeder Religionskritik der Aufklärung Gewalt antut, wenn er sich auf sie bezieht. Schmidt-Salomon, dessen heimlicher Gott Richard Dawkins ist, der Fragen nach dem Warum ablehnt, hält Moral für grundsätzlich falsch, ein Täter kann nicht anderes, als er gehandelt hat. Der Mensch wird degradiert zum Wesen, das einem blinden Naturtrieb folgt, die Natur überwindende Natur des Menschen geleugnet – und das von Anhänger der Evolutionslehre, die doch zumindest das Potential enthält, zu zeigen, dass der Mensch sich aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien kann, in dem er das transzendentale Moment dieser seiner Natur begreift Es ist somit kein Wunder, dass Salomon dies schreibt:

Die meisten Menschen dürften auf die mittlerweile gut begründete Entzauberung der Willensfreiheitshypothese mit Unverständnis, Widerwillen und starkem Unbehagen reagieren. Zu sehr haben wir uns an die Vorstellung gewöhnt, wahrhaft freie Individuen zu sein, denen jederzeit beliebige Wahloptionen offen stehen. Würde man an dieser Vorstellung rütteln, müssten wir unser Selbstverständnis als Personen von Grund auf revidieren, unsere tradierten Auffassungen von Moral, Verantwortung, Würde und Anstand würden zusammenbrechen.

So schlimm das auch klingt, es kann durchaus sein, dass ein solcher tief greifender Wandel aus humanistischer Perspektive das Beste wäre, was uns passieren könnte. Denn die Befreiung von der Idee der Willensfreiheit könnte uns den Weg zu einer Kultur des echten Verständnisses ebnen – und das wäre ein entscheidender Schritt, um die verheerende Gewaltspirale zu überwinden, die die menschliche Geschichte im Großen wie im Kleinen geprägt hat. Man bedenke: Jede Schandtat wird noch um einiges schändlicher, jedes Grauen um einiges grauenhafter, wenn wir unterstellen, dass die Täter sich frei dazu entschlossen haben. Erst wenn wir einsehen, dass sich jeder Mensch – ob Opfer oder Täter – nur so verhalten kann, wie er sich zum gegebenen Zeitpunkt verhalten muss, haben wir eine reale Chance, aus dem von Rachegedanken geprägten, moralischen Automatismus von Schuld und Sühne auszubrechen. Echtes Verständnis macht moralische Verurteilung unmöglich. Je genauer wir hinsehen, desto klarer erkennen wir, dass die Täter stets auch Opfer der Geschichte sind.

Unfassbar!, wird da wohl so mancher einwenden wollen, soll das etwa heißen, dass menschenverachtende Diktatoren wie Adolf Hitler oder Josef Stalin im Grunde moralisch unschuldig waren? Sollen wir uns wirklich damit abfinden, dass diese Halunken in Wahrheit arme Kerle waren, die einfach nicht anders konnten, als sie konnten? Auch wenn sich das Herz jedes eifrigen Moralisten darüber böse empören mag, die Antwort lautet: Ja! „

http://www.schmidt-salomon.de/hoffillu.htm

5 Kommentare

  1. F said,

    Schön, dass für Herrn Schmidt-Salomon zumindest in diesem Zusammenhang Qualität und Quantität von ‚Schuld und Sühne‘ irrelevant scheinen. Relativismus, der jene zu Opfern werden lässt, die sich beim Klettern an Steilwänden einen Fingernagel abgebrochen haben, kann ich nicht respektieren. Lächerlich! Selbst wenn Herr Schmidt-Salomon der grundlegenden Determinanz auf der Spur sein sollte, lassen sich daraus keine Schlüsse ziehen. Die Prämissen dieseer Ergebnise repräsentieren nicht nur Tabus der Gesellschaft, sondern auch immer noch eine Vielzahl ‚blinde Flecke‘ der Wissenschaft. Daher kann ich nicht so ganz verstehen, welche Verständniskultur daraus erwachsen soll, außer ein übersteigerter Opferstatus sämtlicher Gesellschaftsgruppen. Wir sind ja alle Opfer.

    Scheiß auf die Toten von Srebrenica- ICH habe mir einen Nagel abgebrochen!

  2. bigmouth said,

    es ist wirklich erheiternd, wie wenig du offenbar verstehst

  3. yourenlightenment said,

    Bigmouth, dann erleuchte doch uns alle. Und sei mal präziser: Wen meinst du, mich oder F?

  4. F said,

    Und plötzlich kam nichts mehr…

  5. yourenlightenment said,

    Es ist bei bigmouth wie bei all seinen Kommentaren: sie bleiben dummes Geschwätz.

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