Israel-Kritik ist das Opium des dummen Volkes

Dezember 4, 2009 at 10:21 am (Uncategorized)

Auf Spiegel Online ist ein E-Mail-Wechsel zwischen Henryk Modest Broder und dem Berufsdeutschn Erich Follath erschienen.

Doch was bereits im Vorwort, das wohl von der Redaktion des Online-Magazins, welches aus unbekannten Gründen als liberal bezeichnet wird – was ohnehin nicht sonderlich toll, dafür erträglicher als das jetzige wäre -, erstellt wurde heißt es:

„Dann folgte ein Essay Follaths über Irans Präsident Mahmud Ahmedinedschad und Israels Premier Benjamin Netanjahu, die er – ohne sie moralisch gleichzusetzen – ‚Zwillinge im Geiste‘ nannte, ‚beide gefangen in der Absolutheit ihres Anspruchs, beide besessen von einer messianischen Mission‘.“

Moralisch nicht gleichgesetzt, ansonsten schon. Und Zwillinge im Geiste sollen beide sein, sowie beide einen absoluten Anspruch haben. Dass der Universalismus Israels ein anderer, nämlich ein die Bedingungen der Möglichkeit zur Verwirklichung wahrhafter menschlicher Verhältnisse erhaltender, wenn auch unbewusster, ist, der iranische hingegen eine absolutitstischer, der mit den Mitteln der Moderne, ihrer Technik, ihre geistigen Errungenschaften und somit das Denken liquidieren möchte, kommt Follath bzw. der Redaktion des größten Drecksblattes kurz nach der BILD notwendig nicht in den Sinn.

Wer nun denkt, schlimmer gehts nimmer, der irrt. Follaths Repertoire ist weitreichend:

„Weshalb soll nur ein Israeli wie beispielsweise der Historiker Tom Segev sagen dürfen, was wir doch alle empfinden, die wir dieser Tage sehenden Auges durch Israel reisen, nämlich dass das Land selbstmörderisch nach rechts rückt (…)“

Israel rückt selbstmörderisch nach rechts. Die wahren Suicide Bombers sind die blöden Israelis, das ist die Essenz.

Broder antwortet sehr treffend:

„Als es Scud-Raketen auf Tel Aviv regnete, äußerte sich diese Sorge in der Aufforderung, nicht zurückzuschießen, das könnte die Situation eskalieren lassen und zu einem Krieg führen. Damals wie heute wurde ganz selbstverständlich angenommen, es sei gute alte jüdische Tradition, sich nicht zu wehren. Denn die Welt mag tote Juden und ist bereit, ihnen Mahnmale zu widmen, nimmt es ihnen aber übel, wenn sie sich nicht dem Weltfrieden zuliebe aus der Geschichte verabschieden wollen.“

Und stellt fest:

„Bibi ist die Reaktion auf Mahmud, nicht umgekehrt.“

Follath jedoch besticht wieder mit scharfem Verstand, indem er versucht, das Thema auf eine ihm wichtige Frage zu lenken:

„Darüber, ob diese existentielle Angst vor Terror und dem Mann in Teheran in diesem Ausmaß berechtigt ist. Oder ob eher eine andere Macht Israel gefährden kann – nämlich Israel selbst, durch seine Besatzungspolitik und seine, auch nukleare, Über-Rüstung, durch seine Haltung ‚uns ist die Welt egal, sie ist ja ohnehin gegen uns‘.“

Dass Israel den Iran nicht bedroht hat, dass die Angst vor Terror im Gegensatz zu allen anderen Ländern, in Israel eine ganz berechtigte ist: egal. Israel ist für Follath der Jude unter den Staaten und an allem selbst schuld.

Broder, der an anderen Stellen manchen reaktionären Mist redet, beweist hier wieder, in welchem Thema er die perfekte Waffe ist:

„Wenn also, Gott behüte, Ahmadinedschad Israel angreifen sollte, wäre das für die Europäer aus zwei Gründen sehr erfreulich: Erstens würde der vorletzte Holocaust im Dunst des letzten verschwinden, zweitens könnten sie das nachholen, was sie ’33 bis ’45 versäumt haben: sich mit den Juden zu solidarisieren.“

Fraglich bleibt, warum Broder mit Follath noch diskutiert. Letzterer schreibt nämlich:

„(…)[W]oher nur in aller Welt nehmen viele Israelis den Anspruch und die Erwartung, dass niemand in Europa dies kritisieren sollte?“

Welche Israelis diesen Anspruch haben und ob nicht die Wahrheit ist, dass in den Spalten der Süddeutschen, der Jungen Welt und in der Jungen Freiheit ein Konsens herrscht, für den Israel-Kritik der Deckmantel ist und heimlich das Menschenrecht auf Antizionismus eingefordert wird; Follath kann es nicht wissen, denn er läuft Amok.

Das Gefecht geht weiter. Follath schießt:

„Israel aber spielt permanent die internationale Primadonna. Jeder Uno-Beschluss zur Siedlungspolitik eine Zumutung, jeder Rot-Kreuz-Bericht zu Menschenrechtsverletzungen ‚kriminell einseitig‘.“

Follath fordert die Einhaltung von UNO-Beschlüssen ein und damit explizit nichts anderes als Israels Selbstaufgabe, durch die Völker der Welt in demokratischer Art und Weise beschlossen. Denn das Antivolk ist der wahre Grund für die Verhinderung des Völkerfrühlings.

„Und ich darf noch eine neue Frage hinzufügen: Unterscheidet sich Antisemitismus von anderen Formen des Fremdenhasses, insbesondere vom Hass auf alles Islamische? Wenn Sie Israel Menschenrechtsverletzungen durchgehen lassen, die man anderswo anprangern würde, beispielsweise den Einsatz von Streubomben oder auch nur das Ausgrenzen der Gaza-Bevölkerung, wenn Sie Israel also sonderbehandeln – fördern Sie dann nicht den Antisemitismus?“

Um direkt zu sein: Nein, sie dürfen diese Frage nicht anführen, Herr Follath. Wer nämlich meint, dass Antisemitismus durch reales Handeln von Juden und/oder Israelis gefördert wird, der hat nicht verstanden, dass Antisemitismus ein Welterklärungsmodell ist, dass wahnhaft ist und überall ein jüdisches Prinzip imaginiert. Wie ein Jude handelt, ist für den Antisemiten unerheblich.

Am Ende weist Follath dann noch mal in typisch deutscher Manier auf seine Scham hin, die er angesichts Auschwitz fühlt. Jedoch sei von allem Antisemitismus weit entfernt. Das ist der sekundäre Antisemitismus: Mit Auschwitz und menschlich Antlitz den Antisemitismus leugnen:

„Ich war in Dachau und Jad Vaschem. Von der empfundenen Scham kann mich keiner erlösen. Von der nichtempfundenen Schuld muss mich keiner erlösen. Also bitte: Es mag den von Ihnen bemühten (Selbst)Erlösungsantisemitismus ja geben, aber kleben Sie ihn mir nicht an. ‚Wer Jude ist, bestimme ich!‘, hat Karl Lueger, der antisemitische Bürgermeister von Wien vor hundert Jahren gesagt. Nun drehen Sie bitte nicht den Spieß um und sagen: ‚Wer Antisemit ist, bestimme ich.'“

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